Wasserschloss Podelwitz

Wasserschloss Podelwitz - Perle im sächsischen Muldental
Podelwitz
Wasserschloss Podelwitz - Perle im sächsischen Muldental

Die Geschichte des Wasserschloss Podelwitz

Zur Geschichte des Wasserschlosses und Rittergutes zu Podelwitz



Aller Wahrscheinlichkeit nach war das Wasserschloß und Rittergut bereits im 15. Jahrhundert im Besitz der Familie Schellenberg, welche in unserer Gegend ansässig war.
Ein Heinrich von Schellenberg tritt in einer Geringswaldeschen Urkunde bereits 1286 als Zeuge auf. Auf Podelwitz findet sich urkundlich zuerst 1487 ein Herr von Schellenberg, der damals „200 fl. (Gulden) von den frommen Brüdern zu Colditz leiht“

  • 1545 ist Hans Ernst von Schellenberg Rittergutsbesitzer in Podelwitz. Er schenkte der Kirchgemeinde des Gottesackerplatz und ist um 1555 gestorben.



  • 1588 ist es Hans Rudolph von Schellenberg, wie aus einer Unterschrift der Kirchrechnung hervorgeht.



  • 1596 wird Hermann von Heynitz auf Martinskirchen (Falkenberg/Elster) als Mitbesitzer und auch als Pächter genannt. Einen Besitzanteil hatte ein Familienangehöriger der von Schulenburgs, welcher aber nach Geringswalde ins Kloster ging. Sein Anteil ging dann auf die Familie von Carlowitz auf Oberrabenstein über. Infolge großer Verschuldung wird der Verkauf durch Wolf Friedrich von Schulenburg später durchgeführt.



  • 1650 wird als Besitzer Matthes Braun sen. genannt, der aber bereits 1653 starb.



  • 1653 sind als Besitzer Valentin, Matthes jun. und Georg Christoph Braun, die zugleich Besitzer der Rittergüter Polkenberg und Korpitzsch sind, angeführt.



  • 1657 Erbteilung: Valentin und Georg Christoph Braun erhalten Podelwitz (alle drei behalten Polkenberg). Matthes Braun ist 1666 gestorben.
    Georg Christian Braun zuletzt alleinger Besitzer des Rittertgutes Podelwitz verkauft das Gut.


  • 1676 an Tobias Lichtenegger, ein churfürstl. Appelationssekretär. Erstellung des Erbregisters 1678 (Original vorhanden).



  • 1680 (oder einige Jahre später) wiird der Dichter Heinrich Anselm von Ziegler und Klippshausen (1653 bis 1697) als Besitzer genannt.



  • 1691 Verkauf des Gutes an Ulrich Maximilian Rechenberg. Er verlegte den Haupteingang von der West- auf die Ostseite. Er schuf das neue Portal mit seinem Wappen.

    Neben anderen baulichen Veränderungen ließ er in den Räumen südlich der Eingangshalle durch italienische Stuckmeister an den anstelle der Kreuzgewölbe eingezogenen Flachdecken in drei großen Medaillons die Sage der Io darstellen. Die in Homers Ilias berichtet wird:
    Io, die Tochter des Flußgottes Inachos, wird von dem Göttervater Zeus zu seiner Geliebten erkoren. Seine eifersüchtige Gattin Hera verwandelt sie in eine Kuh und setzt den hundertäugigen Argos ( wir sprechen heute noch von „Argusaugen“ ) zum Wächter an ihre Seite. Der alte Schwerenöter Zeus schickt seinen Götterboten Hermes aus, der den armen Argos umzubringen hat, worauf Hera ihre Rivalin durch eine Bremse peinigen lässt..

    Die drei Medaillons zeigten: 1.) Hera sitzt auf einer Wolke und betrachtet triumphierend die von Argos (der aber nur 2 Augen hat) beaufsichtigte Kuh Io.
    2.) Zeus schickt seinen Hermes mit den bekannten Flügelchen an den Hand- und Fußgelenken aus. 3.) Hermes hat eben dem Wächter den Kopf abgeschlagen, den er in der Hand hält, während aus dem Hals von Argos ein wahrer Wasserfall von Blut sich ergießt. Die Darstellungen sind köstlich in ihrer Naivität. Die übrigen Deckenflächen waren mit Arabesken, dem Rechenbergschen Wappen und verschlungenen Monogrammen „MR“ ausgefüllt.

    Leider sind diese ziemlich einmaligen Stuckarbeiten in den 50 er Jahren unseres Jahrhunderts unwiederbringlich vernichtet werden. Maximilian Rechenberg war durch die äußerst kostspieligen Umbauten und Erneuerungen nach drei Jahren finanziell am Ende und musste Podelwitz wieder verkaufen.



  • 1693 kauft das Gut Moritz von Ankelmann, der 1722 stirbt.



  • 1723 verkaufen die Erben das Gut an die verwitwete Stiftsrätin Magdalene Elisabeth von Kötteritz, eine geborene von Meuselbach



  • 1730 wurde ihr Sohn Wolf Gottlob von Kötteritz, der 1767 starb, neuer Besitzer.



  • 1767 ging das Gut an den Kammerherrn Johann August von Kötteritz über.



  • 1781 erfolgte der Verkauf an den Kurfürstl. Sächs. Kammerrat Johann Gottfried Lorenz aus Mittweida



  • 1792 starb er als Freiherr und wurde in Mittweida begraben. Erbe ist seine Tochter Johanne Wilhelmine Freiin von Lorenz. 1767 in Mittweida gestorben. Sie ist 1850 unverheiratet gestorben und in Collmen begraben worden.
    Sie ist heute noch im Gespräch als große Wohltäterin am Ort und in der Umgebung (Einrichtung des Kleinkindergartens. Gründerin von Stiftungen und edle Spenderin).



  • 1827 wird der Dachreiter in seiner heutigen Ansicht errichtet.
    Der Baumeister dieses Thurmes war der sehr geschickte und kenntnisreiche Zimmermeister und Mechanikus Her Walter zu Rochlitz.
    Die Zimmerleute, welche den Bau ausführten waren:
    Gotthelf Priemer aus Hausdorf und Gottlob Thiele aus Collmen.



  • 1850 erbte das Rittergut ihre Verwandte Frau Auguste Freifrau von Reiswitz, Ehegatte des preuß. Oberstleutnant a. D. Alfred Carl Wilhelm Freiherr von Reiswitz - Kadersin und Grabowka.
    Der Gesamtbesitz war: Rittergüter Podelwitz, Collmen, Mockritz (bei Döbeln), die Zöllnermühle u.a.



  • 1867 wird das an der Freiberger Mulde liegende Muldenschlösschen errichtet.



  • 1885 Im Sommer war eine Arbeit an der Spitze des Schlossturmes nötig geworden und wurde infolgedessen der Blitzableiter mit Wetterfahne und Knopf am 29. Juni abgenommen, bei welcher Gelegenheit im Knopf eine verpichte Flasche mit einer schriftlichen Mitteilung von 11. September 1827 vorgefunden wurde. Am 7. Juli 1885 wurde der Knopf wieder auf die Thurmspitze gesetzt und hierbei wiederum der vorerwähnte Bogen und die vorliegende Mitteilung vom heutigen Tage in einer wohlverschlossenen Flasche in demselben niedergelegt.



  • 1892 Bei ihrem Tode ging der Besitz ohne Mockritz, das schon verkauft war, an ihren ältesten Sohn Stenzel Gottlob Alfred Freiherr von Reiswitz und Kadersin-Holzbrinck, Major a. D. über.



  • 1893 Errichtung des Anbaues an der nördlichen Seite des Schlosses. Umzug des Gutsbesitzers von Collmen nach Podelwitz.



  • 1923 Wenzel Freiherr von Reiswitz und Kadersin wird mit 14 Jahren Erbe. Seine Mutter verwaltet den Besitz als Vormund, bis er selbst im Jahre 1931 übernehmen konnte.



  • 1945 Enteignung mit der Bodenreform. Das Rittergut wird in Neubauernstellen aufgeteilt. Das Wasserschloß erhält die Maschinen-Ausleih-Station und es werden Wohnungen eingerichtet im Schloß..
    In den Folgejahren bis 1950 werden einige Wirtschaftsgebäude des Gutes zum Bau von Neubauernstellen abgerissen.


  • 1952 überträgt das Land Sachsen das Wasserschloß der Gemeinde Podelwitz
    Nutzung als Kindergarten und Wohnungen.



  • 1955 werden die unterschiedlichen Wirtschaftsgebäude durch die neu entstandene LPG 1962 übernommen und landwirtschaftlich genutzt. Der Verfall des gesamten Gutes hält bis 1990 an. Die Schlossgärtnerei wird durch die GPG „Muldenperle“ weitergeführt.



  • 1990 Die Schlossgärtnerei wird wieder privatisiert und Konrad Lindner übernimmt die Geschäfte, 1991 hat er seiner Tochter, Frau Schuster die Gärtnerei übergeben.



  • 1991 wird durch die Gemeinde Tanndorf mit Unterstützung und Förderung durch das Landratsamt Grimma und die Denkmalschutzbehörde mit der Sanierung und Rekonstruktion, des inzwischen sehr baufällig gewordenen historischen Bauwerkes begonnen. Bis 1995 konnte die Sanierung des Daches, des Dachreiters sowie der Außenfassaden im wesentlichen abgeschlossen werden.




  • 1996 schließt sich die Gemeinde Tanndorf der Gemeinde Zschadraß an. In den Folgejahren beginnen der Innenausbau und es entsteht ein Nutzungskonzept, im Erdgeschoss das Begegnungszentrum in der 2. Etage die Pension Irmgard und Manfred Knochenmuß eröffnen ihre Heimatstube und wohnen im Seitenflügel des Schlosses.



  • 2001 Die Schlossgärtnerei wird vom Bildungs- und Sozialwerk Tanndorf übernommen
    Die Gemeinde erwirbt das Wirtschaftsgebäude gegenüber des Schlosses von der BVVG.



  • 2002 Am 13. August wird auch das Schloß Podelwitz von der Jahrhundertflut an der Mulde heimgesucht. Das Wasser stand im Erdgeschoss. Am Wirtschaftsgebäude brach der Nordgiebel durch Unterspülung zusammen.



  • 2003 Der Wiederaufbau beginnt dank großzügiger Spenden und Förderungen durch Bund und Land konnten die Flutschäden bis 2004 beseitigt werden.



  • 2004 Im November wird die Ausbildungsküche des BSW Tanndorf im Wirtschaftsgebäude übergeben.



  • 2005 Einstieg in die gastronomische Ausbildung und Eröffnung der Gaststätte „Schlossgewölbe“

letzte Aktualisierung: 22.08.2005 16:15 Uhr
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