Die Heimatstuben im Wasserschloss Podelwitz

Nach der Innensanierung zog Familie Irmgard und Manfred Knochenmuß in die gesamte 1. Etage des Schlosses ein. Im Neubauteil richteten sie sich ihre Wohnung ein, im gesamten Altbauteil aber die „Heimatstuben“. Dies war der Hauptgrund zur Vergabe der Räume.
Manfred Knochenmuß ist schon seit seiner Kindheit von der Sammlerleidenschaft besessen. Was in den Jahrzehnten zusammen getragen wurde, ist allerdings fast einmalig. Wir kennen es von den großen Museen, Burgen und Schlössern – in Glasvitrinen sind einzelne Stücke zum jeweiligen Thema ausgestellt. Einen ausgebildeten Museologen lässt der Anblick der Heimatstuben erschaudern; bis an die Decke sind alle Räume voller Ausstellungsstücke. Aber gerade das ist es, was diese Sammlung so einzigartig macht. Hier findet der Besucher Dinge wieder, die vor allem Alte an die Zeit ihrer eigenen Kindheit erinnert. Ihren Kindern und Enkeln können sie meist selbst eine kleine Episode aus ihrer eigenen Jugend dazu preisgeben. Trotz der Fülle an Einrichtungen und Artikeln ist alles nach den verschiedenen Themen im jeweiligen Zimmer geordnet. Manfred Knochenmuß ist es zu verdanken, dass ganze Einrichtungen aus Läden und Gaststätten ihren Platz in seinen Heimatstuben gefunden haben und nicht für immer „entsorgt“ wurden. Da fast alles aus der hiesigen Umgebung stammt, hat der nun in´s Alter gekommene Besitzer stets eine kleine Geschichte zu jedem Ausstellungsstück. So gilt allgemein – beim Besuch möglichst viel Zeit mitbringen.

Die Sammlung umfasst die Themengebiete Tante-Emma-Laden mit reichem Sortiment, Handwerk, häusliches Leben im Alltag mit Wohnungseinrichtung, Kinderspielzeug aus vielen Generationen, das Postwesen und ein Raum ist der DDR-Geschichte gewidmet. Zu den umfangreichsten und für uns wichtigsten Ausstellungsstücken gehört der Raum mit einer Fülle von Dokumenten und Bildmaterial aus dem berühmten Gefangenenlager für alliierte Offiziere im Schloss Colditz, dem Oflag IV C. Über einen solchen Bestand verfügt nicht einmal das Schloss selbst. Dieser Raum lockte daher auch schon viele Historiker und Besucher an, sogar aus dem Ausland.
Ein weiterer Raum befasst sich mit der Geschichte der keramischen Industrie in Colditz. Die Colditzer Erden sind mitbeteiligt an der Erfindung des Meissner Porzellans. Sie führt über das Steinzeug, das Steingut bis zum Porzellan. Dieser Wirtschaftszweig machte Colditz berühmt und war bis zur Wende der größte Arbeitgeber der Stadt. Über 200 Jahre Geschichte der weißen Erde lassen sich aus vielen ausgestellten Produkten ablesen. Auch dieser Bestand ist in unserer Gegend fast einmalig; Zeitung, Funk und Fernsehen waren nicht das erste Mal in den Heimatstuben zu Gast.
Wer nach seinem Besuch aber Lust auf ein Tässchen Kaffee hat, kann das gern im altertümlichen Ambiente tun. Bei erforderlicher Voranmeldung können Sie auch dazu ein leckeres Stück hausbackenen Kuchen genießen.